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Ein bisschen Statistisches

An der IPHO 2017 nahmen insgesamt 388 Schüler/innen aus 85 Nationen aus allen Kontinenten teil.

Die IPHOs wurden 1967 gegründet. Da in der Frühzeit der IPHOs in zwei Jahren keine IPHO stattfand, war die heurige IPHO auch gleichzeitig der 50. Geburtstag der Internationalen Physik-Olympiaden.

Die IPHOs begannen als Veranstaltung einiger weniger damaliger „Ostblockstaaten“ und sind heute der größte Wettbewerb für physikalische Nachwuchstalente auf diesem Planeten.

Im Jahr 1988 war Österreich Gastland für die IPHO, an der damals 27 Nationen teilnahmen.

 

Unser Team

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Von links nach rechts: Erwin Pfeiler (Steiermark); Jonas Bodingbauer (Oberösterreich); Katharina Bogner (Oberösterreich); Konstantin Mark (Vorarlberg); Katharina Buczolich (Burgenland); Prof. Marianne Korner; Prof. Helmuth Mayr

Nach einem Spezialtraining in Singapur erreichte unser Team am 16. Juli 2017 die Stadt Yogyakarta in Indonesien, dem Austragungsort der heurigen IPHO.

 

Die Wettbewerbe

Am 18.07.2017 hätte eigentlich der experimentelle Wettbewerb stattfinden sollen. Allerdings musste er aus internen organisatorischen Schwierigkeiten der Veranstalter auf den nächsten Tag, den Mittwoch, 19.07.2017 verlegt werden. Dies war ein deutlicher Bruch der in den Statuten festgeschriebenen IPHO-Abläufe, der seit der Gründung der IPHOs noch niemals vorgekommen war.

Daher mussten sich die Jugendlichen bereits am darauf folgenden Tag, dem 20.07.2017 – ohne den an sich vorgesehenen Ruhetag – mit den theoretischen Aufgaben beschäftigen.

Für uns Leader gestaltete sich heuer die Korrektur und Bewertung der Arbeiten unserer Schützlinge unter den gegebenen Umständen – verschärft durch Missverständnisse der Korrektoren-Teams - besonders schwierig. Daher wurde vom sogenannten International Board für heuer eine einmalige Spezial-Lösung für die Preisvergabe beschlossen.

 

 

Leistungen unseres Teams

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Konstantin Mark Honourable Mention 
Erwin Pfeiler Honourable Mention 
Katharina Bogner  Bronze-Medaille
Jonas Bodingbauer  Bronze-Medaille
Katharina Buczolich  Bronze-Medaille

 

Herzliche Gratulation an alle !

 

Wien, im September 2017


Helmuth Mayr
Delegationsleiter

Weitere Bilder finden sich in der Fotogalerie.

 

 


Ein Bericht über die 47. Internationale Physik-Olympiade 2016 in Zürich von Helmuth Mayr

Zirka 400 Jugendliche aus 87 Nationen

img 7174 b 1024Am 10. Juli 2016 trafen etwa 400 Jugendliche samt deren Begleitpersonen in Zürich ein. Wie üblich wurden die Schülerinnen und Schüler in einem anderen Hotel einquartiert als wir Leader. Jedem Team wurde ein „guide“ zugeordnet, der oder die ab sofort für die Teilnehmer/innen verantwortlich war.

Am 11. Juli 2016 wurde dann die 47. Internationale Physik-Olympiade-2016 feierlich eröffnet. Anschließend genossen die jungen Talente eine Exkursion. Uns Leadern hingegen wurden die beiden experimentellen IPHO-Aufgaben vorgestellt. Wie üblich gab es stundenlange Diskussionen und Beratungen hinsichtlich der Textierung und ähnlichem einschließlich der Skala der zu vergebenden Punkte für diverse Lösungsschritte. Anschließend machten wir uns ans Werk, die im „internationalen Englisch“ abgefassten Aufgaben in die diversen Landessprachen zu übersetzen, was in den meisten Fällen bis in die frühen Morgenstunden dauerte.

 


Experimenteller Wettbewerb

28233971146 64bf7b89cdAm nächsten Tag, dem 12. Juli, wurden alle teilnehmenden Schüler/innen in zwei Gruppen geteilt. Die erste Gruppe begann mit der Bearbeitung der experimentellen Aufgaben am frühen Morgen [Österreich war bei dieser Gruppe], die andere Gruppe führte dies am Nachmittag durch.

Dazu wurde jedem Teilnehmer/jeder Teilnehmerin ein Arbeitsplatz zugewiesen, der durch Seitenwände von den benachbarten Arbeitsplätzen abgegrenzt war, wie das nebenstehende Foto zeigt.

Es gab zwei Experimente:

exp 1 kontaktstifteMit dem ersten Experiment waren die Leitfähigkeiten diverser dünner Schichten zu analysieren, zu vermessen, die Daten auszuwerten und diverse Größen zu bestimmen.

exp 2 materialienBeim zweiten Experiment ging es um ein Modell von Phasen-Übergängen. In einem schwingenden Zylinder war eine nicht sehr hohe Trennwand montiert. Wurde der Zylinder mit einer bestimmten Menge von Pflanzensamen befüllt, führten geeignete Schwingungen dazu, dass sich die eine Zylinder-Hälfte auf Kosten der anderen entleerte. Auf diese Weise wurden modellmäßig diverse Details von Phasenübergängen analysiert, vermessen, die Daten ausgewertet und charakteristische Größen bestimmt.

Beide Experimente waren innerhalb von 5 Stunden zu bewältigen, was nur einer eher kleinen Anzahl von Schüler/innen in vollem Umfang gelang.

Beide Experimente zusammen ergaben maximal 20 Punkte.

 


Theoretischer Wettbewerb

Der Theorie-Wettbewerb folgte einem ähnlichen Schema. Zunächst wurden wir Leader am 13. Juli mit den drei theoretischen Aufgaben konfrontiert, hatten diese wiederum zu analysieren, zu diskutieren, diverse Änderungen zu beschließen, die zugehörigen Punkte-Werte zu genehmigen und schlussendlich wieder in die Landessprachen zu übersetzen. Dies dauerte den ganzen Tag bis nach Mitternacht.

Wie üblich gab es drei Theorie-Aufgaben, die innerhalb von wiederum 5 Stunden zu bearbeiten waren. Statutengemäß waren alle drei Theorie-Aufgaben insgesamt 30 Punkte wert.

Theorieaufgabe 1

th 1 zylDies war eine mechanische Aufgabe, die zwei Teile hatte. Im ersten Teil ging es um eine hölzerne Scheibe, in deren Innerem sich eine kleinere Metallscheibe außerhalb der Mitte versteckte. Durch die Analyse vom Verhalten dieser Scheibe(n) auf einer schiefen Ebene und bestimmten Schwingungen waren die Lage und weitere Daten der Metallscheibe zu ermitteln.

th 1 raumstationIm zweiten Fall wurde angenommen, dass sich zwei Personen in einer Raumstation befinden, die ein riesiges, rotierendes Rad ist. Da sich eine dieser Personen auf der Erde wähnte, die andere aber überzeugt war, in so einer Raumstation zu sein, versuchte letztere die erstere mit Hilfe diverser Experimente und deren Ausgang davon zu überzeugen, dass sie sich nicht auf der Erde befinden.

Alle diese Experimente waren nachzuvollziehen, zu analysieren, deren Ausgang zu berechnen und aus den Ergebnissen korrekte Schlussfolgerungen zu ziehen.

Theorieaufgabe 2

th 2 kennlinieDas „Herz“ dieser Aufgabe war ein nicht-linearer elektrischer Bauteil (genannt Bauteil X), dessen U-I-Kennlinie einem idealisierten Thyristor glich. Nach der Untersuchung von stabilen und nicht-stabilen Systemzuständen waren zwei Schaltungen dieses Bauteils mit einem Widerstand, einem Kondensator und einer Konstant-Spannungs-Quelle zu analysieren und deren System-Verhalten zu untersuchen und zu berechnen, einschließlich möglicher Schwingungszustände.

Dies führte zu einem weiteren idealisierten Bauteil, der „Neuristor“ genannt wurde und dessen Verhalten den Neuronen unseres menschlichen Nervensystems ähnelt. Dessen prinzipielles Verhalten war ebenfalls zu analysieren.

Theorieaufgabe 3

In der dritten Theorie-Aufgabe wurden der LHC und ein Linear-Beschleuniger betrachtet. Zunächst ging es um das Verhalten diverser Teilchen im Beschleunigerkreis einschließlich deren Abstrahlungsverhalten.

In zweiten Teil wurde ein Linearbeschleuniger betrachtet und ein Verfahren vorgestellt, wie man mit diesem diverse Teilchen identifizieren kann. Nach der Berechnung spezieller Größen im Linearbeschleuniger-System hatten die Schüler/innen auf Grund gegebener Daten diverse Teilchen zu identifizieren.

 
Korrektur

Die Arbeiten aller Jugendlichen wurden kopiert und wir Leader bekamen die Arbeiten unserer Schüler/innen zwecks Korrektur nach dem vorher ausgemachten Punkteschema. Parallel dazu arbeiteten viele Korrektur-Teams der Universität Zürich, die jeweils für die Korrektur von etwa 20 Nationen zuständig waren. Wir Leader hatten dafür am 15. Juli den ganzen Tag Zeit, und diese Zeit benötigten wir dringend.

Am darauf folgenden Tag wurden so genannte „Moderations“ abgehalten, d.h. wir Leader konnten mit den zuständigen Korrektoren über Details, mögliche Unklarheiten, Missverständnisse udgl. verhandeln, um für alle unsere Schützlinge eine faire Punkteanzahl fest zu legen.

Anschließend gab es wieder eine Sitzung aller Leader (das so genannte „International Board“), in der diese Punkteanzahlen durch Abstimmung fixiert wurden.

Alle Aufgaben und Lösungen finden sich im Downloadbereich.

 

Preisränge

In den IPHO-Statuten ist festgehalten, nach welchem Schema die Preise zu vergeben sind. Vergeben werden Gold-, Silber- und Bronze-Medaillen und so genannte Honourable Mentions (HM).

Für eine Gold-Medaille mussten heuer mindesten 39,8 Punkte, für ein Silber-Medaille mindestens 30,7 Punkte, für eine Bronze-Medaille mindestens 22,7 und für eine Honourable Mention mindestens 17,5 Punkte erzielt werden.

 

Österreichische Leistungen

Heuer bestand das österreichische Team aus den folgenden fünf Jugendlichen (in alphabetischer Reihenfolge):

a) Jonas Bodingbauer; Oberösterreich, IV. Jahrgang / HTL-Leonding

b) Katharina Buczolich; Burgenland, IV. Jahrgang / HTL-Eisenstadt

c) Michael Pfeifer; Kärnten, 8. Klasse / BG/BRG-Klagenfurt-Mössingerstraße

d) Florian Rudinger; Oberösterreich, 8. Klasse / Europagymnasium-Linz

e) Alexander Theis, Tirol, 8. Klasse / BRGBORG-St.Johann

Erfreulicherweise errangen alle unsere Teilnehmer einen Preis, und zwar:

Alexander Theis 17,5 Pkt. Honourable Mention
Florian Rudinger 23,0 Pkte. Bronze-Medaille
Katharina Buczolich 23,8 Pkte. Bronze-Medaille
Jonas Bodingbauer 26,3 Pkte. Bronze-Medaille
Michael Pfeifer 33,5 Pkte. Silber-Medaille

 

 

 

 

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(Das österreichische Team von links nach rechts: Alexander Theis, Prof. Helmuth Mayr, Katharina Buczolich, Prof. Marianne Korner, Florian Rudinger, Michael Pfeifer, Prof. Engelbert Stütz, Jonas Bodingbauer)

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Herzliche Gratulation an alle !

 

Wien, im Juli 2016


Helmuth Mayr
Delegationsleiter

Weitere Bilder finden sich in der Fotogalerie.

 

 

Sonne, Extremwerte, Kernkraftwerke und Laserstrahlen

Ein Bericht über die 46. Internationale Physik-Olympiade 2015 in Mumbai von Helmuth Mayr

Physik, Taktik und Stress-Bewältigung

ipho2015 01Wie seit Jahren üblich absolvierten die für die IPHO-2015 Qualifizierten zunächst ein fünftägiges Spezial-Training an der Universität-Linz. Dort stand nicht nur die Physik an sich im Vordergrund, sondern es wurden auch die besten Wege für eine persönliche, optimale Taktik beim Lösen kniffeliger IPHO-Probleme durchexerziert und vertieft. Ergänzt wurde dies dadurch, dass eine möglichst gute Bewältigung von Stress-Situationen simuliert und reflektiert wurde.

So gerüstet machte sich die österreichische Delegation auf den Weg nach Mumbai in Indien.


Mumbai, eine Stadt der Extreme

In Mumbai wurden die fünf Schüler in einem Fünfstern-Hotel und wir zwei Leader in einem anderen Fünfstern-Hotel untergebracht. Jeder, der diese Hotels betreten wollte, musste durch eine Sicherheitsschleuse, genauso wie es in internationalen Flughäfen üblich ist.
ipho2015 02Mumbai erwies sich erwartungsgemäß als extrem belebter Moloch. In der Nähe von hochmodernen Firmengebäuden, Hotels udgl. konnte man Slums sehen, in denen Menschen unter uns nicht vorstellbaren Umständen ihr Leben fristen. Die Stadt pulsiert praktisch zu jeder Tages- oder Nacht-Zeit. Da wir während der Regenzeit dort waren, erlebten wir extrem sonnig-heiße Phasen, die von mehr oder weniger ausgeprägten Regenschauern unterbrochen wurden. Letztere brachten aber kaum Abkühlung.
Der Verkehr in Mumbai ist dicht, laut, ein ständiges Hupkonzert und für uns Mitteleuropäer sehr gewöhnungsbedürftig.


Laserlicht, eine Helix und Eigenschaften von Wasser

Nach einer beeindruckenden Eröffnungszeremonie am 5. Juli traten fast 400 Schü-ler/innen aus 84 Nationen am 7. Juli zum fünfstündigen experimentellen Wettbewerb an (siehe Downloads). Einerseits war ein Experiment mit Laserlicht durchzuführen, das ein Modell jener Röntgen-Untersuchungen war, die zur Erkenntnis der DNA-Doppelhelix-Struktur geführt hatten und andererseits waren durch streifenden Lichteinfall auf Oberflächen-Wellen von Wasser zwei physikalische Eigenschaften dieses benetzenden Nass´ zu ermitteln. Dies war nur durch umfangreiche Messreihen und ziemlich raffinierter, graphischer Datenauswertung zu bewerkstelligen.


Sonnenstrahlen, das Extremal-Prinzip und ein Kernkraftwerk

Zwei Tage später wurden die Teilnehmer/innen mit drei theoretischen Aufgaben konfrontiert, die wiederum in fünf Stunden zu bearbeiten waren. In der ersten wurden Aspekte der Sonnenstrahlung untersucht, mit der zweiten wurde ein Verständnis des Extremal-Prinzips in der Natur schrittweise analysiert und nachgerechnet und mit der dritten wurden die Basisprobleme eines Fissionsreaktors rechnerisch erfasst (siehe Downloads).


Was passiert nach den Wettbewerben ?

Statutengemäß wurden für die experimentellen Aufgaben maximal 20 und für die theoretischen höchstens 30 Punkte vergeben, also insgesamt 50.
Die Lösungen der Kandidaten/innen wurden kopiert und an die entsprechenden Leader ausgeteilt, d.h. wir bekamen nur die Kopien der Arbeiten unserer Schüler. Diese mussten wir nach einem fixierten Punktesystem korrigieren.
Im Zuge sogenannter „Moderations“ mussten dann alle Leader mit den jeweiligen Korrektoren-Teams eine faire Punkte-Anzahl für jede Arbeit verhandeln, um Missverständnisse udgl. auszuschließen. Auf Grund dieser Moderations wurde dann die offizielle Punkte-Liste – und damit auch die entsprechenden Preisränge – erstellt.

Alle Aufgaben und Lösungen finden sich im Downloadbereich.

 

Ergebnisse

Die höchste Punkte-Anzahl wurde heuer von einem Schüler aus Korea erzielt, nämlich 48,3 Punkte. Um eine Gold-Medaille zu erringen waren heuer mindestens 42,2 Punkte nötig. Eine Silber-Medaille wurde ab mindestens 33,0 Punkten vergeben. 24,0 Punkte war die Mindest-Grenze für eine Bronze-Medaille. Der vierte Preis, die sogenannte Honourable Mention, war an die Mindest-Punkteanzahl von 18,0 Punkten gebunden.

 ipho2015 diez   Matthias Diez aus Graz und Lukas Wimmer aus Zell am See
errangen punktegleich eine Bronze-Medaille.
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Michael Pfeifer aus Klagenfurt
bekam eine Honourable Mention.
 

Herzliche Gratulation !

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Alle diese Preise wurden im Zuge einer feierlichen Abschluss-Zeremonie auf offener Bühne an die Preisträger/innen überreicht.

Das österreichische Team

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(von links nach rechts: Prof. Mayr, Matthias Diez, Jakob Bachler, Michael Pfeifer, Lukas Wimmer, Julius Piso, Prof. Stütz)

Herzliche Gratulation an alle !

 

Wien, im Juli 2015


Helmuth Mayr
Delegationsleiter

Weitere Bilder finden sich in der Fotogalerie.

 

 


Ein Bericht über die 49. Internationale Physik-Olympiade 2018 in Lissabon von Helmuth Mayr.

Spezial-Training

Traditionell erfolgt vor der IPHO ein Spezial-Training für das IPHO-Team, das heuer vom 15. bis 21. Juli am BG/BRG-Mürzzuschlag stattgefunden hatte. Für dieses Training zeichneten Kollegin Marianne Korner (Wien), Kollege Stefan Lorbek (Mürzzuschlag) und der Verfasser dieser Zeilen verantwortlich.

Unser heuriges IPHO-Schüler-Team setzte sich zusammen aus:

hohl elias




Elias Hohl
Graz, 5. Klasse AHS
15 Jahre

 babin robert

Robert Babin
Villach, 8. Klasse AHS
18 Jahre

 

tesarek julius

 Julius Tesarek
Wien, 8. Klasse AHS
18 Jahre

hoerl lucas

Lucas Hörl
Purkersdorf, 6. Klasse AHS
16 Jahre

moll florian 

 Florian Moll
Klagenfurt, 7. Klasse AHS,
17 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Natürlich geht´s beim Spezial-Training um Physik, aber nicht nur. Ein wichtiger weiterer Trainings-Inhalt ist das Einüben einer taktisch günstigen Vorgangsweise beim Knacken physikalischer Nüsse. Vergleicht man frühere IPHO-Angabe-Texte mit unseren ÖPHO-Angabe-Texten kann man zwei markante Unterschiede feststellen: einerseits sind die IPHO-Texte oft deutlich weniger strukturiert als unsere ÖPHO-Texte und andererseits sind manche der ersteren deutlich länger als unsere. [Vor Jahren gab es einen Text, der 18 Seiten (!) lang war.] Es ist daher ein wichtiger Punkt dieses Spezial-Trainings den optimalen Umgang mit diesen weniger strukturierten Texten kennen zu lernen und einzuüben. Außerdem ist es wichtig zu trainieren, wie man bei Vorliegen sehr langer Angabe-Texte am besten vorgeht, um nicht „die Übersicht zu verlieren“.

Das Team diskutiert über Eigenschaften elektromagnetischer WellenDamit sozusagen „elektronische Waffengleichheit“ bei der Verwendung der Taschenrechner besteht, haben die IPHO-Organisatoren im Vorhinein bekannt gegeben, welche Art von Taschenrechner bei der heurigen IPHO erlaubt ist. Alle Kandidaten und Kandidatinnen bekommen für die Wettbewerbe diesen speziellen Taschenrechner und dürfen auch nur diesen zum Bearbeiten der Wettbewerbsaufgaben verwenden. Daher war es wichtig, dass wir für das Spezial-Training derartige Taschenrechner zur Verfügung hatten, damit sich unsere „Olympioniken“ damit vertraut machen können.


Ein nicht zu unterschätzender Einfluss auf das IPHO-Geschehen ist der nicht zu verhindernde Stress. Es ist daher wichtig persönliche Vorgangsweisen zur Stress-Reduktion bzw. -Bewältigung zu besprechen und – so weit wie möglich – modellmäßig einzuüben. Wirklich trainieren kann man diese Vorgehensweisen nicht, aber in gewissen Grenzen darauf vorbereiten. Eines der wichtigsten Mittel zur erfolgreichen Stressbewältigung sind die bisherigen Wettbewerbs-Erfahrungen der Schüler. Als Faustregel kann gelten: Je mehr Wettbewerbserfahrungen vorliegen, desto größer ist die Stressfestigkeit!


IPHO 2018 in Lissabon

Am Samstag, dem 21.07.2018 flog das österreichische Team nach Lissabon, wo wir nach einem etwa 3 ½ stündigem Flug am späteren Nachmittag ankamen. Mit Bussen wurden wir in separierte Hotels gebracht, weil die IPHO-Schüler/innen und die Team-Leader nicht im selben Hotel wohnen dürfen.

 Musik und Tanz bei der Eröffnungsfeier  Das österreichische Team wird vorgestellt

Am Vormittag des nächsten Tages fand eine feierliche Eröffnungszeremonie statt. Im Zuge dieser wurden unter anderem alle angetretenen 86 Schüler/innen-Teams vorgestellt. Nach dieser Feier hatten die Jugendlichen Freizeit.

Wir (etwa 160) Leader aus aller Welt versammelten uns in einem großen Saal der Universität von Lissabon um die zwei experimentellen Wettbewerbsaufgaben zu diskutieren und in die jeweiligen Landessprachen zu übersetzen.

Im Beratungsraum der Leader (Blick nach vorne)   Im Beratungsraum der Leader (Blick nach hinten)

Die Aufgaben wurden von den jeweiligen Autoren vorgestellt und besprochen. Natürlich bekamen wir die Gelegenheit die entsprechenden experimentellen Aufbauten zu besichtigen und auszuprobieren. Dann erfolgte die vielstündige Diskussion und Kritik beider Experimente, die so lange dauerte, bis eine endgültige offizielle englisch-sprachige Version allgemein akzeptiert wurde, gemeinsam mit den zugehörigen Punkteschemata und den zu den Aufgabenstellungen gehörigen Antwortblättern. Diese Monster-Aufgabe dauerte bis in die frühen Morgenstunden.

Natürlich dürfen wir Leader unseren Schülern/innen keinerlei Information über diese Aufgabenstellungen geben. Daher wohnten wir nicht nur in verschiedenen Hotels, sondern die Schüler/innen mussten alle internetfähigen elektronischen Geräte, wie Handys, Tablets usw. vor den Wettbewerben abgeben. Sie erhielten diese erst nach Absolvierung des experimentellen und des theoretischen Wettbewerbes zurück.

Am 23.07.2018 brüteten daher alle 396 Jugendlichen aus allen Kontinenten insgesamt fünf Stunden lang über den beiden Experimental-Aufgaben. Wir Leader hingegen konnten uns erholen bzw. eine Exkursion genießen.

Am Abend desselben Tages konnten Schüler/innen und Leader gemeinsam über diesen Teil der Olympiade diskutieren.

Der nächste Tag, der 24.07.2018, war für die Jugendlichen ein freier Tag. Wir Leader jedoch trafen uns am frühen Vormittag zur Besprechung der drei theoretischen Aufgaben und deren Lösungen.

Im Wesentlichen wiederholte sich das „Spiel“, d.h. wiederum wurden die Aufgaben vorgestellt und so lange diskutiert, bis wiederum eine allgemein akzeptierte offizielle englisch-sprachige Fassung vorlag, die dann in die Landessprachen übersetzt werden musste. Auch dieser Teil der Olympiade dauerte für uns Leader vom Vormittag bis weit nach Mitternacht.

Demzufolge ließen die jugendlichen IPHO-Teilnehmer/innen am darauf folgenden Tag, dem 25.07.2018, ihre Köpfe beim Knacken dieser theoretischen Nüsse rauchen. (Alle heurigen IPHO-Aufgaben sind auch auf dieser Homepage zu finden).

Wir Leader bekamen die Kopien sowohl der experimentellen als auch der theoretischen Arbeiten unserer Schüler/innen. Unsere Aufgabe war es, diese Arbeiten gemäß dem gegebenen Punkteschema zu korrigieren, zu bewerten und unsere Beurteilungen elektronisch an die Korrektur-Teams zu senden.

Als Korrektoren-Teams fungierten eine große Anzahl von Physikern und Physikerinnen aus ganz Portugal. Jedes dieser Teams war für eine bestimmte Aufgabe und für etwas mehr als ein Dutzend Länder verantwortlich.

IPHO-Schüler/innen genießen ihre Freizeit mit vielfältigen VergnügungenAm 26.07.2018 standen sowohl für die Schüler/innen als auch für uns Leader Exkursionen auf dem Programm. Nichtsdestotrotz mussten wir Leader unsere Korrekturen an diesem Tag zu Ende bringen und die Ergebnisse an die Korrektoren weiterleiten.

Der 27.07.2018 war der Tag der sogenannten „Moderations“. Darunter versteht man ein Gespräch von uns Leadern mit den zuständigen Korrektoren-Teams, um eine faire Punkte-Anzahl unserer Schützlinge sicher zu stellen. Das Ergebnis dieser Verhandlungen wurde mit den Unterschriften von uns Leadern und den zuständigen Korrektoren besiegelt.

Am 28.07.2018 gab es vormittags wiederum eine Sitzung von allen Leadern aller vertretenen Länder. Dabei wurde über einige Abänderungsvorschläge hinsichtlich der Statuten (= dem IPHO-Regelwerk) abgestimmt. Außerdem stand die Wahl eines neuen IPHO-Präsidenten an, da die Funktionsperiode des bisherigen abgelaufen war. Der Tagungspunkt, dem alle mit besonderem Interesse entgegenfieberten, war natürlich die endgültige Reihung der Schüler/innen gemäß deren erzielter Punkte-Anzahl, verbunden mit deren möglichem Preisrang.

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Am Nachmittag dieses Tages fand dann die feierliche Preisverteilung statt, auf die eine Farewell-Party folgte, und am 29.07.2018 flogen wir wieder nach Österreich zurück.

 

 




 

 

Leistungen des österreichischen Teams

In den IPHO-Statuten ist geregelt, wie die Punktegrenzen der einzelnen Preiskategorien zu ermitteln sind. Daher ergeben sich jedes Jahr andere Punktegrenzen. Für heuer wurde festgelegt:

  • mehr als 35,00 Punkte Gold-Medaille
  • von 34,99 bis 27,20 Punkte Silber-Medaille
  • von 27,19 bis 17,80 Punkte Bronze-Medaille
  • von 17,79 bis 14,05 Punkte Honourable Mention
  • weniger als 14,04 Punkte kein Preis

Heuer erreichte ein chinesischer Schüler das Punkte-Maximum mit 46,80 Punkten und wurde als „Over-all-Winner“ gefeiert.

Insgesamt wurden vergeben:

  • 42 Gold-Medaillen
  • 69 Silber-Medaillen
  • 99 Bronze-Medaillen
  • 67 Honourable Mentions

Unser Team erreichte:

Hohl Elias 28,53 Punkte Silber-Medaille
Babin Robert 15,95 Punkte Honourable Mention
Tesarek Julius 14,30 Punkte Honourable Mention
Hörl Lukas 7,60 Punkte -
Moll Florian 9,55 Punkte -

 

 

 

 

Das österreichische Team

von links nach rechts: Florian Moll, Robert Babin, Prof. Helmuth Mayr, Elias Hohl, Lukas Hörl, Prof. Marianne Korner, Julius Tesarek
vorne: Prof. Stefan Lorbek

Das österreichische Team

Alle österreichischen Teilnehmer der IPHO-2018 werden im Rahmen der Jahres-Tagung der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft, die heuer an der TU-Graz stattfindet, geehrt, mit einem Buchpreis bedacht und zu einem Kurzreferat eingeladen.

Herzliche Gratulation an alle !

Wien, im August 2018

Helmuth Mayr
Delegationsleiter

Weitere Bilder finden sich in der Fotogalerie.

 

 

Van der Waals, Mechanisches, Polarisation – und eine Sensation

Ein Bericht über die 45. Internationale Physik-Olympiade in Astana, Kasachstan 2014 von Helmuth Mayr

 
1. Astana, der Austragungsort der 45. Internationalen Physik-Olympiade

ipho2014 Verwaltungsgebäude einer Öl- und GasgesellschaftDie 45. IPHO-2014 fand in der neuen Hauptstadt von Kasachstan statt, die den Namen Astana trägt, was wörtlich übersetzt „Hauptstadt“ bedeutet. Seit rund 25 Jahren wurde sozusagen mitten in der kasachischen Steppe, am Fluss Ishim gelegen, eine moderne Großstadt aus dem weitgehend flachen Boden gestampft. Architekturteams aus aller Welt überbieten sich noch immer bei der Verwirklichung ihrer Träume von Wohn- oder Zweck-Gebäuden, was zu ungewohnten Anblicken führt. In der Zwischenzeit beherbergt Astana etwas mehr als 800 000 Einwohner/innen, davon auffallend viele junge und gut ausgebildete Leute. Möglich macht dies das in Kasachstan reichlich vorkommende Erdöl, das in alle Welt verkauft wird.

Stadtkern von AstanaAstana hat ein ausgeprägtes kontinentales Klima, d.h. die Bewohner müssen im Winter mit Temperaturen von -40°C bis -50°C zurecht kommen, während im Sommer die Thermometersäule auf bis zu +40°C klettern kann.

Während der IPHO waren die Temperaturen allerdings deutlich niedriger. Bei bedecktem Himmel und einigen Regenschauern bewegten sich die Tagestemperaturen zwischen +15°C bis +24°C bei ständig wehendem kühlen Steppen-Wind.

2. Unser österreichisches Team

Die Internationale Physik-Olympiade ist sozusagen die „Weltmeisterschaft der Physik“ für „secondary school students“ und ist damit der größte physikalische Wettbewerb für Schüler/innen auf unserem Planeten. Bei der heurigen IPhO traten Teams aus insgesamt 85 Nationen aus allen Kontinenten an. Jedes Land darf maximal fünf Schüler/innen zur IPhO entsenden, was aus unterschiedlichsten Gründen aber nicht alle Nationen getan hatten.

Unter http://ipho2014.kz/teams/table sind alle teilnehmenden Teams aufgelistet. Insgesamt traten 383 Jugendliche zur 45. IPhO-2014 an.

ipho2014 team

von links nach rechts: Prof. Helmuth Mayr, students guide, Simon Jusner, Florian Kanitschar, Oliver Edtmair, Matthias Diez, Michael Pfeifer, Prof. Engelbert Stütz

 

3. Was hatten die Schüler/innen zu tun und was geschah dann?

ipho2014 verwaltungsgebaeudeAm Dienstag, dem 15. Juli 2014, wurden alle Schüler/innen in der großen Halle der Nasarbajew-Universität auf vorbereitete, gegeneinander abgeschottete Arbeitsplätze gesetzt. Dort mussten sie innerhalb von fünf Stunden drei knifflige theoretische Probleme so gut wie irgend möglich bearbeiten. Am Donnerstag, dem 17. Juli 2014, wurde ihnen auf eben diesen Plätzen eine umfangreiche experimentelle Aufgabenstellung vorgelegt, die wiederum innerhalb von fünf Stunden optimal zu bearbeiten war.

Etwas später erhielten wir Leader die Kopien der theoretischen und dann auch der experimentellen Bearbeitungen unserer Schüler, die wir nach einem „Marking scheme“ zu korrigieren hatten. Anschließend gab es so genannte „Moderations“, d.h. wir Team-Leader verhandelten mit den entsprechenden Korrektoren über eine faire Punkte-Anzahl für unsere Schüler. Daraufhin wurde eine Liste erstellt und auf Grund dieser werden statutengemäß die „Limits“ für die entsprechenden Preise festgelegt.

Auf diese Weise gab es heuer:
    43 Gold-Medaillen
    80 Silber-Medaillen
    88 Bronze-Medaillen
    63 Honorable Mentions

Von den insgesamt 383 angetretenen Jugendlichen wurden daher 274 mit Preisen belohnt.

4. Womit sich die Schüler/innen zu befassen hatten

Theorie:
Die erste Aufgabe bestand aus drei unabhängigen Teil-Aufgaben. In der ersten waren die Bewegungen eines Hohl-Zylinders zu erfassen, der mit ipho2014 experimenteinem „Puck“ = einem kleinen Masssenstück in Bewegung versetzt wurde. Bei der zweiten waren Details über eine Seifenblase und deren Oszillationen zu analysieren. Die dritte Teilaufgabe behandelte eine trickreiche elektrische Schaltung und das entsprechende System-Verhalten.
Bei der zweiten Theorie-Aufgabe war das Verhalten von Gasen, das mit der Van-der-Waals-Gleichung beschrieben wurde, näher zu untersuchen.
Die dritte Aufgabe behandelte unselbstständige und selbstständige Entladungsvorgänge von Gasen.

Experiment:
Mit Hilfe eines gegebenen Sets diverser Experimentier-Materialien war das Polarisationsverhalten einiger optischer Bauteile mit unterschiedlichen Beleuchtungen zu analysieren. Diverse Kenndaten mussten aus entsprechenden Messungen und zugehörigen Graphen abgeleitet werden.


Alle Aufgaben und Lösungen finden sich im Downloadbereich.


5. Eine Sensation !

Wie schon einige Male gewannen alle unsere österreichischen Schüler einen Preis, und zwar:
 

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Oliver Edtmair (Villach; 8. Klasse):  Gold-Medaille

Oliver errang den Platz 10  von  383  Jugendlichen!

Außerdem wurde er mit dem Sonderpreis der Europäischen Physikalischen Gesellschaft
als bester europäischer Schüler dieser IPHO ausgezeichnet !

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Florian Kanitschar (Eisenstadt; V. Jahrgang HTL):  Bronze Medaille

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Simon Jusner (Klagenfurt; 8. Klasse):  Bronze-Medaille

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Matthias Diez (Graz; 7. Klasse): Honorable Mention

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Michael Pfeifer (Klagenfurt; 6. Klasse): Honorable Mention

 

Herzliche Gratulation !

Eine Auflistung aller Gewinner/innen kann unter http://ipho2014.kz/blogs/view/1/42 aufgerufen werden. (Gemäß Statuten dürfen die Ergebnisse jener Schüler/innen, die keinen Preis gewonnen haben, nicht publiziert werden).

Wien, im Juli 2014


Helmuth Mayr
Delegationsleiter

Weitere Bilder finden sich in der Fotogalerie.

 

 

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